Auswirkungen von Hitze auf die (Stimm-) Gesundheit

Auswirkungen von Hitze auf die (Stimm-) Gesundheit

Jährlich finden Aktionen zum Hitzeaktionstag am 11. Juni statt. Hier gibt es dazu mehr Informationen: https://hitze.info/ und https://hitzeaktionstag.de/

Hitzewelle: Ab drei aufeinanderfolgenden Tagen mit Temperaturen über 28°C wird von einer Hitzewelle gesprochen (Kahlenborn et al., 2024).

Hitze und Luftverschmutzung als Folge der Umwelt- und Klimakrisen:

  • Überschreiten von kritischen, temperaturabhängigen Kipppunkten wirken sich auf das Klimasystem aus, und lösen sich gegenseitig verstärkende und unwiderrufbare Kettenreaktionen mit „weitreichenden Umweltauswirkungen, die die Lebensgrundlage vieler Menschen gefährden“ (PIK, o. J.) aus.
  • Veränderung der Temperaturverteilung führt dazu, dass die globale Temperatur im Durchschnitt um 1,1 °C höher ist als in der vorindustriellen Zeit vor 1700 (Swiers, 2024)
  • ein doppelt so schneller Temperaturanstieg in der Arktis bringt das Meereseis jährlich um 2,7% zum Schmilzen, wodurch Hitzewellen, Niederschläge und Dürren zunehmen und Extremwetterereignisse wie Starkniederschläge häufiger auftreten (Berger, 2014).
  • neue Hitzetemperaturrekorde in Westeuropa, im West-Mittelmeerraum, Teil Zentral- und Ostasiens, Asiens und Neuseelands sowie über dem Nord-und Südpazifik wurden aufgestellt (WMO, 2023).
  • verdreifachten Aufkommen von Hitzewellen in Deutschland und deren um 25 % zunehmender Dauer (Helmholtz Munich, 2024)
  • Zunahme der Hitzetage und Tropennächte (Kahlenborn et al., 2021).
  • ein Anstieg von 28 zusätzlichen „heißen Tagen“ mit einer Lufttemperatur von mindestens 30 °C seit 2000 bis zum Ende des 21. Jahrhundert führen zu über 40 Hitzetagen pro Jahr (Kahlenborn et al., 2021).
  • Verstärkung und Erweiterung des Wärmeinseleffekts in verdichteten Innenstädten und im Umland (Kahlenborn et al., 2021). Die vermehrte Sonneneinstrahlung wird dieserorts mit einer erhöhten Schadstoffkonzentration assoziiert (Traidl-Hoffmann, 2021).
  • Anstieg des Waldbränderisikos durch potenziell schädliche Mikroorganismen und Algenteppichen in Gewässern (Kahlenborn et al., 2021).
  • Anstieg CO2-Konzentration in Verbindung mit trockener Hitze verändert die phänotypischen Merkmale der Pflanzen bezüglich Intensität und Zeitpunkt der Blüte bzw. Polle (Luschkova et al., 2022), wodurch es zu einem früheren Pollenflugbeginn und längeren Pollensaisons kommt (Rojo et al., 2021).

Jeder Mensch erlebt Hitze anders. Einige haben keine oder leichte gesundheitliche Probleme und andere werden krank, sodass sie ins Krankenhaus müssen und Lebensgefahr besteht.

„Die Thermoregulation des menschlichen Körpers erfolgt homoiotherm, was bedeutet, dass der Körper unabhängig von der äußeren Temperatur eine optimale Kernbetriebstemperatur von etwa 37 °C aufrechterhalten muss. Wenn während einer Hitzewelle oder einer Kältewelle die Temperatursensoren im Körper anzeigen, dass die optimale Temperatur nicht aufrechterhalten werden kann, signalisiert das der Hypothalamus dem Körper, und es wird versucht die Kerntemperatur zu erhöhen oder zu senken. Wenn dies jedoch nicht möglich ist, besteht die Gefahr des Todes, sollte nicht frühzeitig eingegriffen werden.“(Swiers, 2024)

Menschen die besonders hitzegefährdet sind:

  • ältere Menschen mit einem Alter ab 75 Jahren
  • Menschen mit chronischen Erkrankungen bzw. Vorerkrankungen
  • Kinder
  • Menschen mit neurologischen Einschränkungen
  • Menschen mit eingeschränkter Mobilität und einem Pflegebedarf
  • Isolierte Menschen
  • Menschen mit somatischen und psychischen Vorerkrankungen
  • Säuglinge
  • Schwangere
  • Menschen, die im Freien arbeiten

Mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit:

  • Entstehung von Hitzekrankheiten: u.a. Hitzeausschlag, Hitzekrämpfe, Sonnenstich, Hitzeerschöpfung, Hitzeschlag
  • Belastung von Organen: Gehirn, Herz, Lunge, Nieren
  • Konkrete Beispiel:
    • Luftschadstoffe wie z.B. Ozon, Stickstoffoxide und ultrafeine Partikel befeuern Entzündungsprozesse an den Schleimhäuten der oberen und unteren Atemwege (Liebers et al., 2020)
    • der Körper ist außerhalb von „optimal klimatisierten“ Arbeitsplätzen bei Hitzewellen besonderen Belastungen ausgesetzt, die das Herz-Kreislauf- und Atmungs- und Stimmsystem, gravierend beeinflussen können. (Schuster et al., 2024)
    • Hitze verstärkt bei neurologischen Erkrankungen die Symptome, erhöht die Wahrscheinlichkeit von Krankenhauseinweisungen (Sherratt, 2021) und geht mit einer erhöhten Sterblichkeit einher (Zammit et al., 2021).
    • Bei bestimmten Medikamenten gilt es zu beachten, dass diese die Anpassungsfähigkeit des Körpers an die Hitze herabsetzen (Herrmann & Sauerborn, 2018).
    • Hitze hat einen deutlichen Einfluss auf die Menstruation und die Gesundheit von biologischen Frauen haben kann. Höhere Temperaturen stehen im Zusammenhang mit stärkeren oder unregelmäßigen Blutungen, Zyklusverschiebungen und verstärkten Beschwerden wie Schmerzen oder Erschöpfung. Besonders betroffen sind Frauen, die ohnehin unter Menstruationsproblemen leiden (Tagesschau, 2026).
  • Körperliche Symptome:
    • Schnellere Erschöpfung
    • geringere Belastbarkeit
    • erhöhter Flüssigkeitsbedarf
    • Konzentrationsprobleme
    • Kreislaufbelastung

Auswirkungen auf bestimmte Risikogruppen:

  • Menschen mit Asthma:
    • Zunahme von Lungenerkrankungen wie z.B. Asthma bronchiale zu (Herrmann et al., 2021).
    • Das Phänomen „gewitterbedingtes Asthma“ bezeichnet das gehäufte Auftreten von schweren Asthmaanfälle im zeitlichen und räumlichen Umfeld von Gewittern (KLUG, o.J.).
    • Symptome von Allergien und Asthma werden an Hitzetagen in Städten verstärkt (Traidl-Hoffmann, 2021).
  • Menschen mit Stimmstörungen:
    • Chronifizierung von bereits bestehenden Symptomen
    • stärkere Einschränkungen der Atmung
    • schnellere Erkrankung an funktionellen Stimmstörung
    • Die Kombination von Hitze und einer hohen Stimm- und Sprechbelastung bei Atemwegsvor und -neuerkrankung potenziert das Risiko einer Berufsdysphonie, aufgrund der erhöhten Umweltbelastung in der beruflichen Umgebung (Schuster et al., 2024).
  • Kinder und Jugendliche:
    • Die WHO (2024) weist darauf hin, dass es zu Atemwegserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen kommen kann (Conway et al., 2024).
  • Schwangere und Neugeborene:
    • Pränatale Hitzeexposition vor allem im 1. Trimester birgt ein erhöhtes Risioko
      • Frühgeburtlichkeit und ein niedriges Geburtsgewicht (Bekkar et al., 2020),
      • Entwicklung von Lippen-Kiefer-Gaumen-Segel-Fehlbildungen (Soim et al., 2018)
      • Verlust des Hörvermögens bei Säuglingen (Karaca et al., 2014).
      • Auswirkungen Fütterstörungen bei Neugeborenen (WHO, 2024)
  • Menschen die einen Schlaganfall erlitten haben:
    • Das Schlaganfallrisiko steigt mit einem Anstieg der Temperatur über 30°C (Bao et al., 2019).
  • Menschen mit Migräne:
    • Hitzewellen können die Häufigkeit von Migräneattacken erhöhen bzw. auslösen.
    • Auch Dehydratation und Schlafmangel sind Triggerfaktoren für Migräneattacken und während Hitzeperioden besonders häufig (KLUG, o.J.)

Diese Gruppen sind bei Hitzewellen besonders gefährdet. Daher ist es wichtig das Fachleute interdisziplinär zusammenarbeiten und früh erkennen, wenn Hitze die Funktionsfähigkeit, Konzentration, Atmung oder Belastbarkeit beeinträchtigt und sollten Klient*innen aufklären und beraten.

Was Fachkräfte konkret tun können vor und während einer Hitzewelle:

  1. Aufklärung
    • Warnzeichen von Überhitzung erklären
    • Trink- und Pausenpläne gemeinsam entwickeln
    • Medikamente und Hitzeempfindlichkeit thematisieren (in Abstimmung mit Ärzt*innen)
  2. Anpassung
    • Einheiten in kühlere Tageszeiten legen
    • Ab 26 Grad Erste Vorkehrungen zur Entlastung treffen
    • Ab 30 Grad verpflichtende Umsetzung von Maßnahmen zur Entlastung und zum Schutz z.B. effektive Verschattung, Lüften, erfrischende Getränke, Arbeitszeitverlagerung, Pausen
    • Ab 35 Grad ohne entsprechende Maßnahmen, wie z.B. Luftduschen, Wasserschleier, ist ein Raum ab 35 Grad Lufttemperatur nicht mehr zum Arbeiten geeignet (Ausschuss für Arbeitsstätten, 2020)
      • Belastung reduzieren
      • Übungen hitzegerecht gestalten
      • Räume abdunkeln, lüften, Ventilation nutzen
  3. Alltagsstrategien vermitteln
    • Wege und Aktivitäten anpassen
    • Wohnraum hitzeresilient gestalten
    • Hilfsmittel nutzen, die Energie sparen
    • Routinen entwickeln, die Überhitzung vermeiden
  4. In Teams und Netzwerken mitwirken
    • Teilnahme an lokalen Hitzeaktionsplänen
    • Zusammenarbeit mit Ärzt*innen, Pflege, Sozialarbeit, Stadtplanung
    • Teilnahme an Fortbildungen wie der Planetary Health Academy

Fazit:
Die Umwelt- und Klimakrisen sind Gesundheitskrisen und brauchen alle Menschen für ihre Bewältigung. Dabei ist es besonders wichtig die Perspektiven der Menschen einzubringen, die am stärksten betroffen sind durch Umwelt- und Klimaveränderungen. Alle die im Alltag dort arbeiten, wo Hitze und Umweltveränderungen unmittelbar wirken, können präventiv und gesellschaftlich einen Beitrag leisten, um die Auswirkungen abzuschwächen und Menschen zu unterstützen Anpassungsmaßnahmen zu treffen.

Quellen:

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Bao, J., Guo, Y., Wang, Q., He, Y., Ma, R., Hua, J., Jiang, C., Morabito, M.,
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Weiterführende Literatur:

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Luisa Schillig
trauma- und umweltsensibles
Atem-, Sprech- und Stimmcoaching